Newsletter

NEWSLETTER 19

Das ForAge Lexikon

von Keith Percy

Ziel des ForAge Netzwerkes war die Sammlung  von Wissen, Ideen und Erfahrungen zum Thema lebensbegleitendes Lernen im Alter in Europa. Dieses Wissen sollte auch allgemein zugänglich gemacht werden. Bei dieser Arbeit wurde klar, dass, die Grenzen und Definitionen des lebensbegleitenden Lernens unklar und umstritten sind.  Ebenso ist die Sprache des lebensbegleitenden Lernens (zumindest in Englisch) oft ungenau und auch die Verwendung von verschiedenen Sprachbegriffen ist manches Mal verwirrend.

Ein gesamteuropäisches  Glossar von Begriffen

Schon zu Beginn des Projektes war klar, dass ein Lexikon mit einer Erklärung der verschiedensten Begriffe während des Projektes entwickelt werden sollte. Dieses Lexikon wurde auch als Projektergebnis definiert. Konkret ging es um relevante Begriffe, die in verschiedensten Disziplinen im Bereich des lebensbegleitenden Lernens im Alter verwendet werden. Ziel dieses Glossars war die „Verbesserung der europäischen Zusammenarbeit, des Austausches von Wissen und der Wissenserweiterung“.

Diese Idee passte sehr gut zu den zentralen Zielen des Forage Netzwerkwerkes. Um alle Ziele des ForAge Netzwerkes zu erreichen, war es sehr wichtig für das Team, dass die einzelnen Begriffe für alle klar waren und dieselbe Bedeutung hatten. Somit war bald klar, dass ein Kompendium mit Erklärungen der einzelnen Begriffe des lebens-begleitenden Lernens im Alter wichtig ist.

Gemeinsame Arbeit

Im ForAge Projekt waren sehr viele Partnerorganisationen (beim Start im Jänner 2012 waren es 18) beteiligt. Einzelne PartnerInnen übernahmen die Leitung der von verschiedenen Aufgaben und arbeiteten mit anderen PartnerInnen zusammen. Zuständig für das Lexikon war die AEA „Association for Education and Ageing“ in Großbritannien. Während der drei Projektjahre wurde das Lexikon entwickelt, überprüft und immer wieder erweitert. ProjektpartnerInnen aus 14 Ländern kommentierten das Lexikon.

Entwicklung und Praxis

In der fertigen Version enthält das Lexikon nun Definitionen von 110 Begriffen, die meisten sind mit Kommentaren versehen. Das Lexikon wurde in Englisch geschrieben. Die 110 Begriffe wurden ausgewählt weil sie alle in einem engen Zusammenhang mit lebensbegleitendem Lernen im Alter stehen. Einige der Definitionen stammen auch von anderen Glossars.

  1. Oft verwendete Begriffe
  2. Aktuelle/zeitgemäße  Begriffe
  3. Pädagogische/didaktische Begriffe
  4. Andere wichtige Begriffe
  5. Philosophische Begriffe

 

1. Oft verwendete Begriffe

Diese Begriffe werden oft verwendet und sind eigentlich so klar, dass sie keine nähere Erklärung benötigen.

Nummer

Begriff

Definition und Kommentar

Quelle

64

Later-life learning

All aspects of formal, non-formal and informal learning undertaken by, and relevant to, older people

ForAge

 

Nummer

Begriff

Definition und Kommentar

Quelle

81

Older person

Views vary on the chronological age at which a person may be defined as “older”. The ages of 50 or 55 years are often mentioned as the starting point of “older age” but will often vary between countries depending on pensions or retirement age. It is likely that in the future the chronological definition of “older” will shift upwards

ForAge

 

2. Aktuelle/zeitgemäße Begriffe

Einige der Begriffe im Lexikon sind “neue” Begriffe im Bereich des lebensbegleitenden Lernens, die in nun auch in vielen verschiedenen Kontexten verwendet werden. Oft sind sie mit verschiedenen Werten verbunden.

 

Nummer

Begriff

Definition und Kommentar

Quelle

3

Active ageing

The process of optimising opportunities for health, participation and security in order to enhance the quality of life as people age. More extensive definitions include independence in activities, social contribution, emotional connections, supporting people to adapt to age-related limitations, resilience, creative leisure, sexuality, retaining own values and removing structural barriers to participation

WHO

CINAGE

 

Nummer

Begriff

Definition und Kommentar

Quelle

96

Silver economy

The industry/sector focusing on providing older people, particularly those with disposable income, with products and services. Older people as drivers of economic growth, creating new markets for, e.g., technology services for wellbeing and health monitoring, health sports, tourism and financial and pensions services. Educational implications relate to older people learning to define needs for new products and services and to assess those offered by the market

ForAge

 

3. Pädagogische/didaktische Begriffe

Viele Begriffe im Lexikon werden in anderen Bildungsbereichen schon lange verwendet. Hier war Aufgabe des Lexikons klarzustellen, welche Verbindungen es zum Bereich des lebensbegleitenden Lernens im Alter gibt und zu definieren, wie der Begriff hier verwendet wird.

Nummer

Begriff

Definition und Kommentar

Quelle

43

Experience-based learning

The exploitation of experience to initiate, create and deliver learning. Based on the belief that adults, especially older adults, accumulate a body of skills knowledge and understanding through a lifetime of experiences

LARA

(adapted)

 

Nummer

Begriff

Definition und Kommentar

Quelle

98

Social exclusion

Exclusion from the rights, benefits and privileges of society, typically as a result of poverty or belonging to a minority social group. The provision of education and learning in later life is often claimed to have a duty of promoting social inclusion for all older people

ForAge


4. Andere wichtige Begriffe

Beispiele:

Nummer

Begriff

Definition und Kommentar

Quelle

22

Creativity  in learning

To do something new; to produce something out of the imagination; to try something out; to design something. Some argue that many older people have the motivation, time and space to be creative in learning. Certainly activities such as creative arts and creative writing are popular.

ForAge

 

 

 

 

Nummer

Begriff

Definition und Kommentar

Quelle

74

Memory problems

There are powerful cultural beliefs that memory deteriorates significantly in later life and, therefore, older people have more difficulty in learning. While there are physical changes, there is strong evidence that positive attitudes and mnemonic techniques can more than compensate for any physical change

ForAge

 

5. Philosophische Begriffe

Im Bereich des lebensbegleitenden Lernens finden sich auch Begriffe, die nicht empirisch verifiziert werden können.

Nummer

Begriff

Definition und Kommentar

Quelle

73

Meaning in life

 

Make sense of life; finding meaning in an individual life, normally one’s own.  Reflection on meaning in life can be regarded as an aspect of positive ageing.

ForAge

 

Nummer

Begriff

Definition und Kommentar

Quelle

109

Wisdom

Pragmatic intelligence. The capacity to be wise, rational and to make balanced judgements. Sometimes associated with later life and the knowledge and experience it may bring as in the “wisdom of the elders”

ForAge

 

Das ForAge Lexikon sollte in keiner Weise monopolisieren oder das lebensbegleitende Lernen im Alter in der Zukunft limitieren. Dieser Bereich ist hoffentlich ein Feld für Wissen, Erfahrungen und Praxis. Wir sehen das Lexikon als dynamischen Prozess an. Die einzelnen Definitionen können sicherlich erweitert und verändert werden. So wird die AEA auch von Zeit zu Zeit das Lexikon aktualisieren.

Aber vor allem sollte dieses Lexikon auch zur Diskussion anregen. Einige der Definitionen und Kommentare sind sicherlich kontrovers. Die AEA und ForAge freuen sich über Kommentare und Vorschläge zur  Verbesserung.

Diskussionen können gerne auch im ForAge Forum geführt werden:

http://www.foragenetwork.eu/forum/

Ebenso auch auf unserer Facebook Seite:

 (https://www.facebook.com/pages/ForAge-for-later-life-learning-building-on-European-experience/447577198673523?fref=ts)

 

Professor Keith Percy

ForAge partner, Association for Education and Ageing, UK

Percyk90@yahoo.co.uk

 

NEWSLETTER 18

Ältere ArbeitnehmerInnen in Europa
Auszug

von Jumbo Klercq

Menschen 50+, die in einer Beschäftigung stehen oder auf Arbeitssuche sind, werden meistens als ältere ArbeitnehmerInnen, als eine spezielle Kategorie von älteren Erwachsenen,  bezeichnet. Dazu gehören Arbeitssuchende mittleren Alters als auch ältere Erwachsene, die beschäftigt sind, ebenso selbständige ältere Erwachsene und ältere ArbeitnehmerInnen im Übergang zu Pension. Von den frühen 1970er Jahren bis Mitte der 1990er Jahre wurde ein früher Pensionsantritt immer häufiger.

Länger leben – länger arbeiten?

Der OECD Bericht über ältere Arbeit-nehmerInnen “Länger leben, länger arbeiten” stellte fest, dass in OECD Ländern durchschnittlich weniger als 60% der Menschen zwischen 50 und 64 Jahren eine Arbeit hatten. Während 75 % der jüngeren Menschen zwischen 25 und 49 Jahren 75 % arbeiteten. Wenn nichts passiert, könnte ab 2050 für jede/n Pensionistin/en nur eine Person eine Beschäftigung haben.

Wenn nicht gegengesteuert wird, wird die Arbeitskraft sinken

Als Ergebnis könnte der Arbeitsmarkt in den nächsten 5 Dekaden um 15 % schrumpfen.

Paradigmenwechsel

In ihrer Kommunikation (EU2004) “Erhöhung der Beschäftigung von älteren ArbeitnehmerInnen und späterer Pensionsantritt“ appellierte die Europäische Kommission an die Mitgliedsstaaten, drastische Maßnahmen zu ergreifen. Dazu war eine radikale Kehrwende bei politischen Maßnahmen notwendig. Weg von einer Kultur der frühen Pensionierung und hin zu einer gemeinsamen Politik des aktiven Alterns. Dazu gehört auch eine Steigerung der Beschäftigung der Menschen 40+ und 50+ und eine Absicherung der Arbeitsplätze der Beschäftigten im Alter von 55 – 64 Jahren.

1996 startete das erste europäische Projekt mit dem Namen “EuroWorkAge”. Ein Netzwerk, das gute Praxis für Beschäftigungs-politik und Steuerung der Arbeitskraft von älteren ArbeitnehmerInnen identifizierte und verbreitete.

Das war jedoch wie das Suchen einer Nadel in einem Heuhaufen, weil es die am meisten verbreitete Praxis der letzten 20 Jahre in den meisten westlichen Länder war, ältere ArbeitnehmerInnen vom Arbeitsmarkt auszuschließen.

Das nachfolgende Projekt „Re-Integration von älteren ArbeitnehmerInnen in den Arbeitsmarkt“ enthielt politische Empfehlungen an Regierungen, Arbeitnehmer-Organisationen und Gewerkschaften. Als Ergebnis entstanden die ersten nationalen Aktionspläne für Beschäftigung. Dieser Wechsel von Ausgrenzung zur Miteinbeziehung zeigte sich in den Aussagen von MeinungsbildnerInnen und WirtschaftsführerInnen in Großbritannien und in vielen anderen europäischen Ländern. Diese Politik der frühen Pensionieren wurde schon seit dem Ende des 20. Jahrhunderts durch institutionelle Beschränkungen eingedämmt.

Kurzzeit-Lösungen

ArbeitgeberInnen sollten fähig sein, wenn  notwendig, kreative Kurzzeit-Lösungen zu finden, etwa durch Umstrukturierungen. Und das trotz der Tatsache, dass sie mit Problemen kämpfen, die aufgrund von Regierungs-richtlinien entstanden sind und für die auch sie keine Lösung haben. Obwohl weder ArbeitgeberInnen noch ArbeitnehmerInnen die Politik in Richtung eines längeren Arbeitslebens und einer Erhöhung des Pensionsalters vorbehaltlos unterstützen, kommen sich der Aufforderung doch nach.

Die rasche Alterung der Bevölkerung erfordert dringende politische Handlung. Die meisten OECD Ländern haben auf diese Heraus-forderungen mit Pensionsreformen reagiert. Allerdings ist das nicht genug. Wenn die Alterung der Gesellschaft so weitergeht, dann führt kein Weg an längeren Lebensarbeitszeiten vorbei.

Jedoch sind die Beschäftigungsaussichten von älteren ArbeitnehmerInnen in den meisten OECD Ländern schlecht. Menschen über 50 Jahren werden oft als erste gekündigt und sind die letzten, die angestellt werden. Ihre Qualifikationen sind oft nicht mehr auf dem neuesten Stand, weil sie keine Fortbildungen mehr bekommen und viele ältere ArbeitnehmerInnen sehen auch keinen Sinn darin ihre Zeit in eine Fortbildung zu investieren. Ebenso tragen schlechte Arbeitsbedingungen und unflexible Arbeitszeiten zu einem frühen Pensionseintritt bei.

Ein alterndes Europa

Europa wird älter: zwischen 2007 und 2012 stieg die Anzahl der Menschen 50+ von 178 Million auf 190 Millionen. In Zukunft wird es weniger junge Arbeitskräfte geben und daher unterstützen die Europäische Union und die Mitgliedsstaaten einen längeren Verbleib der älteren Menschen am Arbeitsplatz.

Ein Weg in die richtige Richtung wäre die älteren ArbeitnehmerInnen selbst zu fragen, was sie möchten. Eine neue politische Richtlinie von Eurofound nimmt Daten der EQLS Umfrage (Europäische Erhebung zur Lebensqualität), um zu zeigen, wie ältere Menschen in der Praxis arbeiten und welche Arbeitsmodelle ihren Bedürfnissen entgegenkommen.

Länger und weniger arbeiten und mehr Pflege

Wenn ältere EuropäerInnen daran interessiert sind länger zu arbeiten, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass sie weniger Stunden pro Woche arbeiten möchten. Vor allem Menschen 50+, die für ein Kind, ein Enkelkind oder für pflegebedürftige Angehörige sorgen sehen hier eine besondere Herausforderung: sehr oft möchten sie arbeiten, jedoch selten Vollzeit, weil das mit ihrer Lebenssituation nicht zusammenpasst.

Während eine Unterstützung vom Staat oder von Arbeitgebern für jüngere Menschen, die für ein Kind sorgen, oft verfügbar ist, gibt es oft wenig Unterstützung für Menschen, die Angehörige pflegen.

Anpassung von Arbeit in der Praxis

Aufgrund der Vielfalt der Lebensverhältnisse in Europa ist es nicht überraschend, dass die Ansichten über Arbeit sehr verschieden sind. Unternehmen könnten Arbeitsmodelle einführen, die auf die Bedürfnisse von älteren ArbeitnehmerInnen zugeschnitten sind, etwa die Anpassung der tatsächlichen Arbeitsaufgaben an die Fähigkeiten und Wünsche der ArbeitnehmerInnen oder eine Anpassung der jeweiligen Tagesarbeitszeiten.

Frühere Eurofound Studien untersuchten die Anpassung von Arbeitsmodellen zu Sicherung einer besseren Nachhaltigkeit der Arbeit und längerer Lebensarbeitszeiten. Viele ältere ArbeitnehmerInnen suchen neue Heraus-forderungen, zum Beispiel MentorInnen für neue Arbeitskräfte zu sein. Diese Entwicklungen könnten sowohl älteren ArbeitnehmerInnen dabei helfen länger am Arbeitsmarkt zu sein, als auch jüngere Menschen beim Einstieg in den Arbeitsmarkt unterstützen.

Jumbo Klercq

ForAge partner, The Elephant,Learning in Diversity BV

Jumbo.elephant.klercq@gmail.com

Die gesamte Version des Newsletters finden Sie in englischer Fassung hier: http://www.foragenetwork.eu/at/page/79-downloads/

 

NEWSLETTER 17

Europäisches Englisch und ältere Lernende

von Jim Soulsby

ForAge ist ein multilaterales Netzwerk, finanziert vom Programm für Lebenslanges Lernen der Europäischen Kommission. 15 Partnerorganisationen aus 13 Ländern haben drei Jahre zum Thema lebensbegleitendes Lernen im Alter zusammengearbeitet. Ziel des Projektes ist das Sammeln und Teilen von Informationen und guter Praxis von und der Vorteile des lebensbegleitendem Lernen im Alter.


ForAge beschäftigt sich mit Themen wie der Verfügbarkeit von Lernen für ältere Menschen. Ein Teil der Aufgabe des ForAge Netzwerkes ist die Diskussion von Themen, die mit der Entwicklung und Nachhaltigkeit von Lernmöglichkeiten im späteren Leben zu tun haben. Eines dieser Themen ist die Frage, wie Englisch in Europäischen Projekten verwendet wird. Dazu gibt es zwei Aspekte:

(a) Die Anwendung von Englisch in der Entwicklung von Projekten – hier können wir auf unsere eigenen Erfahrungen zurückgreifen.
 
(b) Die Anwendung von Englisch von älteren Lernenden in Europa – entweder als Teilnehmende an Europäischen Projekten oder als Lernende.

Zu diesen Themen haben wir zwei Newsletter geschrieben. Der vorliegende Newsletter beschäftigt sich mit der Anwendung von Englisch von älteren Menschen.

Ältere Menschen und Englisch

Der spezielle Eurobarometer Bericht der Europäischen Kommission von 2012 zum Thema „Die europäischen Bürger und ihre Sprachen“ hielt fest, dass Englisch die populärste Fremdsprache in Europa ist. 38 % der EuropäerInnen können nach ihren Aussagen englisch sprechen.
http://ec.europa.eu/public_opinion/archives/ebs/ebs_386_de.pdf.

Menschen in Ungarn, Irland, Italien, Portugal und in Großbritannien sprechen am wenigsten Fremdsprachen. Vom Alter her betrachtet sprechen Menschen 55+ am wenigsten eine Fremdsprache.

Sprachen in einer sich ändernden Welt

In Bezug auf ältere Menschen in unserer Gesellschaft – vor allem jener, die lernen und sich mit anderen Menschen in Europa austauschen möchten – stellen sich viele Fragen zum Thema „Englisch lernen“.

•    Die Lese- und Schreibfähigkeit von älteren Menschen in Europa ist sehr verschieden. Wie wirkt sich das auf die Fähigkeit und die Motivation zum Lernen einer Fremdsprache aus?

•    Ist Englisch eine Sprache, die ältere Menschen lernten als sie jünger waren? Wenn das der Fall ist, wie konnten sie sich das bewahren?

•    Viele ältere Menschen mussten in  ihrer Kindheit eine zweite europäische Sprache lernen. Wenn diese Menschen jetzt Englisch lernen, helfen die früheren Erfahrungen mit einer anderen Fremdsprache dabei?

•    Wie und wo werden ältere Lernende in Englisch unterrichtet? Was erwarten sie sich davon? Wie wird die Unterrichtsqualität überprüft?

•    In Europa gibt es einen vermehrten Tourismus durch mehr offene Grenzen. Freuen sich ältere Menschen über diese Gelegenheiten oder hemmt ein fehlendes Vertrauen in ihre Englischkenntnisse ihre Reiselust? Reisen die meisten älteren Touristen in Gruppen, in denen ihre eigene Sprache gesprochen wird?

Das ForAge Netzwerk fördert lebens-begleitendes Lernen im Alter in ganz Europa und beschäftigt sich mit der Verfügbarkeit von Lernen für ältere Menschen, der Qualität des Lernens und mit der Gefahr, dass ältere Menschen in unserer sich schnell ändernden Welt nicht mehr mitkommen.

Es gibt Diskussionen über die Ausdehnung des “europäischen Englisch” und über dessen Auswirkungen auf ältere Menschen. Umfragen zeigen, dass Sprachenlernen im späteren Leben das kognitive Altern unterstützen kann und die Risiken für einige Formen der Demenz verringert.
http://www.theguardian.com/education/2014/sep/13/am-i-too-old-to-learn-a-languagehttp://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ana.24158/full

Was ist “europäisches Englisch”?

Europäisches Englisch ist ein Beispiel einer Variante der englischen Sprache, die als  „Englisch als lingua franca“ (ELF) bezeichnet wird und folgendermaßen definiert ist: „Die Anwendung von Englisch als gemeinsames Mittel der Kommunikation für Menschen mit verschiedenen Muttersprachen („Vienna Oxford International Corpus of English http://www.univie.ac.at/voice).

Beim Studium von Englisch als Fremdsprache liegt der Fokus auf der Kommunikation mit englischen MuttersprachlerInnen und deren Normen, um sich mit deren Kultur und Werten zu identifizieren. Der Fokus bei ELF liegt jedoch auf der praktischen Anwendung, angepasst an die jeweils anderen sozialen und kulturellen Hintergründe und mit Verwendung von einzelnen Begriffen der jeweils eigenen Sprache (code-switching). Hier sind englische MuttersprachlerInnen, die mit ELF nicht vertraut sind, benachteiligt, weil sie nicht wissen, wie sie ihr Englisch hier einsetzen sollten.


Kommunikation und ältere Erwachsene


Die Europäische Union fördert Sprachkenntnisse in zumindest drei europäischen Sprachen – der Muttersprache und noch zwei weiteren Sprachen (Barcelona Ziel 2002) – und warnt, dass Sprache keine Barriere für den freies Reisen, Arbeit und Teilnahme an der Gesellschaft sein darf, und dass ausgegrenzte Sprachgruppen erkannt und in die Gesellschaft miteinbezogen werden sollen.
http://ec.europa.eu/languages/policy/learning-languages/languages-in-education_de.htm
 

Zusätzlich zu schon früher gestellten Fragen, möchte das ForAge Netzwerk mehr zu folgenden Themen erfahren:

•    Nationale Daten in Bezug auf  Sprachkenntissen nach Alter
•    Sprache als Mittel für nationale und Europäische Integration
•    Nationale Sprachpolitik in Bezug auf Integration von älteren Personen von Minderheiten
•  Möglichkeiten für ältere Menschen, um europäische Sprachen zu lernen und Daten über Teilnahme an Sprachkursen von älteren Menschen


Jim Soulsby (Jim.soulsby@btinternet.com)
ForAge Koordinator, für das ForAge Netzwerk
 

NEWSLETTER 16

Europäisches Englisch und das ForAge Netzwerk

von Jim Soulsby

ForAge ist ein multilaterales Netzwerk, finanziert durch das Programm für Lebenslanges Lernen der Europäischen Kommission. 15 Partnerorganisationen haben drei Jahre zum Thema Lebensbegleitendes Lernen im Alter zusammengearbeitet. Hauptziel des Projektes war die Entwicklung einer Internetplattform mit Material, Hintergrundwissen usw. über Altern, Lernen und ältere Erwachsene.

Ein Teil der Aufgabe des ForAge Netzwerkes ist die Diskussion von Themen, die mit der Entwicklung und Nachhaltigkeit von Lern-möglichkeiten im späteren Leben zu tun haben. Eines dieser Themen ist die Frage, wie Englisch in Europäischen Projekten verwendet wird. Dazu gibt es zwei Aspekte:

(a) Die Anwendung von Englisch in der Entwicklung von Projekten – hier können wir auf unsere eigenen Erfahrungen zurückgreifen.

(b) Die Anwendung von Englisch von älteren Lernenden in Europa – entweder als Teilnehmende an Europäischen Projekten oder als Lernende.

Zu diesen Themen haben wir zwei Newsletter geschrieben. Der vorliegende Newsletter beschäftigt sich mit der Verwendung  von Englisch im ForAge Netzwerk.

 

Englisch im ForAge Netzwerk

Das Programm für lebensbegleitendes Lernen verlangt, dass Projektsprache Englisch, Deutsch oder Französisch ist. Beim ForAge Netzwerk ist die Projektsprache Englisch. Für zwei der ProjektpartnerInnen (Großbritannien und die Republik Irland) ist Englisch die Muttersprache, aber alle anderen PartnerInnen verwenden eine Fremdsprache für alle möglichen Interaktionen, formell, informell, mündlich und schriftlich.

Die ForAge PartnerInnen arbeiteten in Teams von zwei bis sechs Mitgliedern, die natürlich alle Englisch sprechen und verstehen mussten. Für die Aufnahme in das Netzwerk waren Kenntnisse der englischen Sprache keine Voraussetzung.  Schon in der ersten Projektzeit wurde klar, dass es deutliche Unterschiede in der Sprachkompetenz bei den PartnerInnen gab. Aber zumindest verfügte jedes nationale Team gemeinsam über genügend Sprachkenntnisse, sodass alle PartnerInnen  die Aufgaben dieses komplexen und herausfordernden Projektes bewältigen konnten.

Englisch wurde von den ForAge ProjektpartnerInnen bei den verschiedensten Aufgaben verwendet.

  • Bei der Teilnahme in vier transnationalen Projekttreffen bei Präsentationen und Diskussionen.
  • Bei der Teilnahme an drei ForAge Konferenzen als SprecherInnen, WorkshopleiterInnen, DiskussionsteilnehmerInnen und SchriftführerInnen.
  • Bei der Zusammenarbeit mit vielen verschiedenen Menschen (EntscheidungsträgerInnen, StrategInnen, ProfessionistInnen, Freiwilligen und älteren Erwachsenen).
  • Bei der Erarbeitung von Zusammenfassungen, Analysen, Rechercheergebnissen und Dokumentationen für das Projekt.
  • Bei der Anleitung von anderen PartnerInnen in verschiedensten Bereichen.
  • Bei der Einreichung von Dokumenten für Publikationen.
  • In der Arbeit mit sozialen Medien.
  • Bei Diskussionen im ForAge Forum.
  • Bei den vierteljährlichen Berichten an die Netzwerk-KoordinatorInnen über Aktivi-täten und Ausgaben.
  • Bei der Übersetzung von Dokumenten für die nationale Öffentlichkeitsarbeit und für die Website.

All diese verschiedenen Aufgaben verlangten bestimmte und anspruchsvolle Kenntnisse der englischen Sprache. Bei einigen Aktivitäten (wie etwa der englischen Website) war jedoch eine editierende Rolle der englischen MuttersprachlerInnen notwendig.

Was ist “Europäisches Englisch?

Schon sehr früh im Projekt war klar, dass es bei der Komplexität der Vision von ForAge und der Inhalte immer wieder zu Missverständnissen zwischen den PartnerInnen kommen konnte. Einige dieser Missverständnisse trugen  jedoch auch zur Vielfalt des ForAge Teams, bestehend aus PartnerInnen mit verschiedenen sozialen, politischen und kulturellen Ansichten, bei.  Trotzdem kam es immer wieder zu Verwirrungen der PartnerInnen, deren Muttersprache nicht Englisch ist.  

So entwickelte das Team den Begriff „Europäisches Englisch“ für jene freie Form der englischen Sprache, die in den Diskussionen verwendet wurde, die jedoch sehr oft von jenen, deren Muttersprache Englisch ist, nicht verstanden wurde.

Das “Europäische Englisch”, das bei ForAge gesprochen wird, ist ein Beispiel einer Variante der englischen Sprache, die als  „Englisch als lingua franca“ (ELF) bezeichnet wird und folgendermaßen definiert ist: „Die Anwendung von Englisch als gemeinsames Mittel der Kommunikation für Menschen mit verschiedenen Muttersprachen („Vienna Oxford International Corpus of English http://www.univie.ac.at/voice).

Beim Studium von Englisch als Fremdsprache liegt der Fokus auf der Kommunikation mit englischen MuttersprachlerInnen und deren Normen, um sich mit deren Kultur und Werten zu identifizieren. Der Fokus bei ELF liegt jedoch auf der praktischen Anwendung, angepasst an die jeweils anderen sozialen und kulturellen Hintergründe und mit Verwendung von einzelnen Begriffen der jeweils eigenen Sprache (code-switching). Hier sind englische MuttersprachlerInnen, die mit ELF nicht vertraut sind, benachteiligt, weil sie nicht wissen, wie sie ihr Englisch hier einsetzen sollten.

 
Die Auswirkungen des “Europäischen Englisch”

Die Anwendung von Englisch als „lingua franca“ in einem Projekt bringt viele praktische Fragen, sowohl für englische MuttersprachlerInnen als auch für Menschen mit anderen Muttersprachen, mit sich. Ziel ist die Schaffung eines Umfeldes, in dem allen PartnerInnen ermöglicht wird frei Englisch zu sprechen und ihre Meinung auszudrücken.

Dazu kann Folgendes gehören:

  • Schon früh im Projekt einen Konsens über die Terminologie in Bezug auf ein Europäisches Projekt finden (zB: Unterschied zwischen „dissemination“ und „exploitation“, was heisst „valorisation“?).
  • “Übersetzung” der formalen Sprache des Projektantrages und anderer Dokumente in eine weniger formale und praktische Sprache.
  • Beachtung der Auswirkung von Sprachunterschieden in der Vorbereitung und Durchführung von Projekttreffen und Konferenzen (zB: Verwendung einer klaren Sprache, Wiederholungen, Zulassen von Klarstellungen und Verifizierungen, keinen Akzent oder Dialekt sprechen).
  • Sicherstellung einer klaren schriftlichen Kommunikation, keine Verwendung von Jargon.
  • Anerkennung des Wertes von Vielsprachigkeit zur Förderung eines gemeinsamen Verstehens (zB Förderung von Diskussionen in verschiedenen Sprachen, um ein Verstehen von Schlüsselbegriffen zu erleichtern).
  • Rücksichtnahme auf die physischen Auswirkungen von Diskussionen und Projekttreffen in einer fremden Sprache, wie Müdigkeit, Konzentrationslücken, weniger flüssiges Sprechen und weniger Klarheit.
  • Festlegung, wann eine formelle Übersetzung notwendig ist (zB Publikationen, Website)
  • Beachtung der positive Effekte der Multilingualität in einem Projekt (zB: Dokumente, Kommentare, und Websites in verschiedenen Sprachen).

Die Auswirkungen von Sprachproblemen in einem multilingualen Kontext, sowohl auf Native Speaker als auch auf ELF Speaker, sollten nicht unterschätzt werden.

 

Kommunikation und ältere Erwachsene

Die Ansichten des ForAge Netzwerkes zu „Europäischem Englisch“  stammen zu einem großen Teil aus praktischen Erfahrungen. Die Auseinandersetzung mit Sprachbarrieren führen zu Fragen über die allgemeinen Auswirkungen der verschiedenen Sprachen in Europa.

Die Europäische Union fördert Sprachkenntnisse in zumindest drei europäischen Sprachen – der Muttersprache und noch zwei weiteren Sprachen (Barcelona Ziel 2002) – und warnt, dass Sprache keine Barriere für den freies Reisen, Arbeit und Teilnahme an der Gesellschaft sein darf, und dass ausgegrenzte Sprachgruppen erkannt und in die Gesellschaft miteinbezogen werden sollen. http://ec.europa.eu/languages/policy/learning-languages/languages-in-education_de.htm

Das ForAge Team interessiert sich für Erfahrungen anderer mit diesem Thema:

  • Erfahrungen von anderen europaweiten Initiativen mit ELF
  • Nationale Daten in Bezug auf  Sprachkenntissen nach Alter
  • Sprache als Mittel für nationale und Europäische Integration
  • Nationale Sprachpolitik in Bezug auf Integration von älteren Personen von Minderheiten
  • Möglichkeiten für ältere Menschen, um europäische Sprachen zu lernen und Daten über Teilnahme an Sprachkursen von älteren Menschen

Jim Soulsby (Jim.soulsby@btinternet.com)

ForAge Koordinator, für das ForAge Netzwerk

 

NEWSLETTER 15

New Directions and New Learning in Late Life
Taking the Learning to the Learner; Active and Healthy Ageing; Learning Communities
Dritte europäische ForAge Konferenz 2014 in Portugal – Ein Rückblick


von Manuela Hinterberger

Die dritte ForAge Konferenz fand von 7.-8. November 2014 in Porto, Portugal, statt. Viele ExpertInnen und VertreterInnen der Zielgruppe der älteren Menschen nahmen an der Konferenz teil, nutzten die Netzwerk-Möglichkeit und tauschten Informationen und Wissen aus.

In seiner Eröffnungsrede betonte John Benyon, Forage Koordinator von der Universität Leicester, Grossbritannien, dass sich der Titel der Konferenz nicht nur auf ältere Menschen bezieht, sondern auch auf jüngere Menschen und darauf, wie man lernt älter zu werden.

Maria Helena Antunes von AidLearn, Portugal, hob hervor, dass ältere MitbürgerInnen allgemein eine verletzliche Gruppe sind, nicht nur in Portugal, sondern in ganz Europa. Sie betonte den Nutzen und die Fertigkeiten, die ältere Menschen in die Gesellschaft einbringen können.

Jim Soulsby, ForAge Koordinator von der Universität Leicester, Grossbritannien, stellte fest, dass Europa immer noch nicht  richtig auf das Altern vorbereitet ist und das aktives Altern eine große Herausforderung für ganz Europa ist.

Nutzen und Auswirkungen von Bildung und lebenslangem Lernen

Der erste Beitrag dieser Plenarsitzung kam von Prof. Fausto Amaro von der Universität Lissabon. Er sprach über die Auswirkungen von lebensbegleitendem Lernen im Alter in Portugal und erörterte, dass lebenslanges Lernen nicht nur ein Konzept ist, sondern auch einen hohen praktischen Wert hat. Es geht um die Notwendigkeit der Wiederverwertung von Wissen. In Portugal wird E-Government immer wichtiger, daher sind Kenntnisse in Informa-tionstechnologie eine Voraussetzung für die Miteinbeziehung von älteren Menschen in die Zivilgesellschaft.

Als nächstes sprach Dr. José Salgado, Klinischer Direktor des Psychiatrischen Krankenhauses in Lissabon. Er begann mit dem Beatles Lied „When I´m Sixty Four“ und bemerkte, dass sich das in der heutigen Zeit wohl auf das Alter von 74 beziehen würde. Leider steigt die Zahl der an Alzheimer erkrankten Personen in entwickelten Ländern an, obwohl es weniger altersabhängige Demenz gibt. Zur Vorbeugung von Alzheimer helfen tägliche mentale Übungen von 15 bis 30 Minuten begleitet von Stressmanagement und richtiger Ernährung.
 
Der nächste Sprecher, Manuel Villaverde Cabral, Präsident des Ageing Institutes in Portugal, musste seine Teilnahme wegen Erkrankung absagen. Seine Präsentation über „Altern in Portugal“ wurde jedoch vorgelesen. Es ging darum, dass ältere Menschen in unserer Gesellschaft nicht beachtet werden. Wenn wir alt werden, verlieren wir unsere sozialen Verbindungen. Aktives Altern kann hier gegensteuern und aktives Lernen sollte immer im jeweiligen sozialen Kontext gesehen werden. Für ältere Menschen ist es wichtig, dass sie aktiv bleiben, das kann sich positiv auf ihre Gesundheit auswirken. Und wenn wir uns gesund fühlen, dann fühlen wir uns nicht alt. Portugal hat außerdem den höchsten Prozent-satz von älteren Menschen im Alter zwischen 50 – 60 Jahren, die noch in den Arbeitsprozess eingebunden sind. Auch das ist ein wichtiger Aspekt von aktivem Altern.

Workshops und Diskussionen

Freiwilligenarbeit von SeniorInnen
Ehrenamtliche Arbiet wird mehr und mehr als soziale Aktivität innerhalb eines legalen Rahmens gesehen. Menschen investieren Zeit nicht für finanzielle Vergütungen, sondern für einen anderen Nutzen. Sergio Andreis von Lunaria in Rom, Italien, ging auf die Strategie Europe 2020 ein. Es gibt einen aktuellen Trend in Richtung der gemeinsamen Arbeit von älteren und jüngeren Menschen.
Anna Grabowska, von PRO-Med in Gdansk, Polen, sprach über das Senioren-Austausch-programm “Seniors Working Together” (Senioren arbeiten gemeinsam) zwischen Polen und der Türkei.

Chelsea Lazaridou, von Hellas 50plus in Athen, Griechenland, teilte ihre Erfahrungen mit Kunst und Lernen für ältere Menschen und erklärte wie man, zum Beispiel mit Gemälden oder Musik, Lernprozesse in Gang setzen kann. Viele Menschen haben Angst einen Fehler zu machen. Doch die Betrachtung von Kunst ist immer subjektiv und somit gibt es kein Richtig oder Falsch.

Interkulturelles Lernen
In diesem Workshop wurden drei Beispiele guter Praxis für interkulturelles Lernen vorgestellt. Nadežna Hrapková, von der Comenius Universität in Bratislava, Slowakei, präsentierte ihre interkulturelle Arbeit mit älteren Menschen, bei der Studierende des Fachs “Oper” die Möglichkeit hatten, im Ausland Opern anzusehen.

Das Thema von Jacqueline McFarlane-Fraser, vom ACWDC (African Caribbean Women´s Development Centre) in Großbritannien war „Aktives und Gesundes Altern von ethnischen Gruppen“. Viele Mitglieder der ethnischen Gruppen kamen sehr jung in Großbritannien an um zu lernen und zu arbeiten. Sie hatten immer geplant, in die Karibik zurückzukehren und hatten nicht erwartet, in Großbritannien ihren Lebensabend zu verbringen. Jetzt sind sie immer noch da und sehr demotiviert. Sie übten in ihrem Gastland eine niedrige Tätigkeit aus und kannten sich auch mit den Gegebenheiten und den Behörden nicht aus. Das ACWDC bietet Seminare zu „Oral History“ an, um den offensichtlichen Rassismus und die Ablehnung, die sie im neuen Land erfahren haben, zu verarbeiten. Außerdem gibt es ein Gesundheitsprogramm.

Dušana Findeisen von der Universität des Dritten Lebensalters in Slowenien erörterte, was ältere Menschen von den Studentenbewe-gungen in den 1970er Jahren lernen können. Damals gingen junge Menschen in die Öffentlichkeit, erreichten eine Änderung von politischen Strategien und entwickelten alternative Bildungs- und Lebensmöglichkeiten. Auch die heutigen Generationen hätten die Möglichkeit eine alternative Gesellschaft zu erschaffen.

Netzwerken für lebensbegleitendes Lernen im Alter
John Benyon, von der Universität Leicester, Großbritannien, stellte das Projekt „MATURE – Making Adult Teaching Useful, Relevant and Engaging“ vor. Bei diesem Projekt wurde eine Weiterbildung für ErwachsenenbildnerInnen zu den Themen Miteinbeziehung, Motivierung und Erreichen von lernfremden, benachtei-ligten älteren Lernenden entwickelt.

Jim Soulsby, ebenfalls von der Universität Leicester, sprach darüber, wie wir uns selbst und andere am besten auf das Altern vorbereiten können. Es ist wichtig zu erkennen, was wir alle durch den Alternsprozess lernen können, welchen Nutzen und welche Vorteile Lernen für uns selbst und für die Gemeinschaft bringt.

Altersgerechte Gemeinschaften

Der zweite Konferenztag begann mit einer Plenarsitzung. Prof. Paul Kingston von der Universität Chester, Großbritannien, sprach über eine altersgerechte Umwelt. In unserer sich schnell ändernden Welt ist Altern negativ behaftet. Dieses stereotype Denken sollte überwunden werden. Er ging auch auf Ethno-Geographie ein. In Bezug auf alter(n)s-freundliche Umgebungen ist es wichtig, dass ältere Menschen schon in den Planungsprozess miteinbezogen werden. Ziel sollte die Schaffung einer Umgebung sein, in der sich ältere Menschen abgesichert und sicher fühlen. In der Gesellschaft sollte lebens-begleitendes Lernen im Alter und soziales und bürgerschaftliches Engagement gestärkt und gefördert werden.

Der nächste Sprecher war Silvana Caetano, Stadtrat für die Belange der älteren Menschen in Bajé, Brasilien. In Bajé gehören 15 % der Bevölkerung zur Gruppe der älteren Menschen. Es wurde eine Strategie zur Unterstützung von SeniorInnen entwickelt. Angeboten werden Kurse, etwa über gesunde Ernährung, Handwerk, Alltagsleben, ein Kino-Workshop, Musik und Bewegung.

Als nächster sprach Victor Fragoso, von der Contemporay Senior University in Portugal zum Thema „Emotionale Bildung für SeniorInnen”. Er erörterte, dass negative Emotionen über das Altern nicht grundsätzlich schlecht sind, jedoch ist es wichtig, sie auch auszudrücken. Der Übergang vom aktiven Berufsleben zur Pensio-nierung und der Beginn des „Lebensabends” ist eine Herausforderung. Um diese zu überwinden kann Wissen über die eigenen Emotionen helfen. Ältere Menschen wägen Verluste und Gewinne in ihrem Leben ab und das hat große Auswirkungen auf ihr Leben. Lebensbegleitendes Lernen kann dazu beitragen, dass ältere Menschen lernen mit ihren Lebenserfahrungen richtig umzugehen.
 
Der letzte Sprecher dieser Plenarsitzung war Nuno Abranja, von der Lusófona Universität in Portugal. Er erörterte das Thema „SeniorInnen und Unternehmertum” und dessen Beitrag zu aktivem Altern. Die portugiesische Bevölkerung ist die sechstälteste in Europa. Obwohl die meisten selbständigen UnternehmerInnen in Portugal zwischen 50 und 60 Jahre alt sind, gibt es auch eine beträchtliche Zahl von über 65-jährigen UnternehmerInnen. Ältere Menschen verfügen über mehr Lebenserfahrung, über angesammeltes Wissen, sie haben eine höhere Problemlösungsbereitschaft und unterliegen weniger Täuschungen und falschen Vor-stellungen. Außerdem können ältere Menschen auch eine wichtige Rolle als MentorInnen oder Coaches übernehmen.

Das Forage Netzwerk

Als nächstes sprach Jim Soulsby, ForAge Koordinator von der Universität Leicester über die bisherige und die zukünftige Arbeit des ForAge Netzwerks. ForAge startete im Jahr 2012 unter Grundtvig. Nun gibt es seit einem Jahr Erasmus+ und es ist noch immer nicht ganz klar, welchen Platz ältere Menschen im neuen Programm haben. Trotz der Tatsache, dass weniger als 20 % der über 65-jährigen in Europa an Bildungsaktivitäten teilnehmen, scheinen ältere Menschen nicht mehr im Fokus zu stehen. In den letzten Jahren wurden in den EU Ländern viele Initiativen, Programme, Kurse und Projekte zum Thema lebensbegleitendes Lernen im Alter durchgeführt. ForAge vertritt alle diese Projekte und fasst alle wertvollen Erfahrungen zusammen.

Eugénia Inácio, Koordinatorin der Erwach-senenbildung der Erasmus+ Agentur in Portugal war die nächste Sprecherin. Sie betonte, dass das Altern der Bevölkerung uns alle betrifft. Die Unterstützung von aktivem Altern in ganz Europa ist sehr wichtig. Hier können die Mitgliedsstaaten voneinander lernen. Das lebensbegleitende Lernen bleibt wichtig in Europa und spielt auch eine große Rolle bei der Integration von MigrantInnen. Unter Erasmus+ gibt es das KA1 Programm für die Mobilität von Einzelnen und das KA2 Programm für Zusammenarbeit zur Förderung von Innovation und zum Austausch über bewährte Verfahren.
 
Als nächstes sprach Susana Oliveira von der EAEA (Europäischer Verband für Erwach-senenbildung) über die Zukunft der Bildung für ältere Menschen und über die Zusammen-arbeit der EAEA mit dem ForAge Netzwerk. Die Arbeit der EAEA bezieht sich auch auf die Förderung von Lernen für benachteiligte MigrantInnen und SeniorInnen. Vor allem hier gibt es Verbindungen zu ForAge. Die EAEA reagierte auch auf das neue Erasmus+ Programm mit einem Brief an die Europäische Kommission. Sie äußerte Bedenken darüber, dass ältere Menschen offenbar nicht mehr im Fokus des lebensbegleitenden Lernens in Europa sind.

Workshops

Kunst und aktives Altern
Anderson Amaral, brasilianischer Spezialist für Rehabilitation von älteren Menschen, präsentierte interessante praktische Beispiele seiner Arbeit.

Marina Matache, EUROED Association, Rumänien, erörterte Ideen über die Miteinbeziehung von älteren Menschen in die Gemeinschaft.

Und Maria Helena Antunes, AidLearn, Portugal, gab einen Einblick in das CINAGE Projekt, bei dem ältere Menschen Filme aus ganz Europa kritisch analysieren  und auch praktische Erfahrungen mit der Herstellung von Filmen machen.

Danach sprach Dulce Roselló, eine ältere Künstlerin aus Portugal, sehr bewegend über ihr interessantes Leben.

Intergenerationelles Lernen
Dušana Findeisen von der Universität des Dritten Lebensalters in Slowenien sprach über das ECIL Programm (European Certificate in Intergenerational Learning). In diesem Projekt arbeiten verschiedene Generationen und Kulturen zusammen und es gibt auch einen Online-Kurs.

Sacha Vieira, von der Universität Aveiro in Portugal sprach über intergenerationelles Lernen in der Gemeinschaft. Das Projekt TOY (Together Old and Young) hatte Kinder bis zu 9 Jahren und ältere Menschen über 55 Jahren als Zielgruppe. Gemeinsam wurden Erfahrungen ausgetauscht und die Gruppen konnten von-einander lernen und auch Freundschaften entwickeln.

Der nächste Sprecher war Jorge Mayer, Leiter des Freiwilligenprogramms der EDP Stiftung in Portugal. Das Programm für Freiwillige wurde für pensionierte MitarbeiterInnen ins Leben gerufen, die 4–8 Stunden pro Woche in Schulen und anderen Organisationen arbeiten. Sie sind zwar nicht länger in ihrem Job aktiv, können so aber noch immer einen wertvollen Beitrag liefern und ihre Erfahrungen finden Wertschätzung.

Letzter Sprecher dieses Workshops war Paulo Sá, von Tutti per tutti Sport in Portugal. Er erörterte das Projekt „Boccia: Ein Spiel für alle“, bei dem Menschen mit Kopfverletzungen Boccia, ähnlich dem traditionellen Boccia Spiel, spielen. Das hilft ihnen bei der Genesung und erhöht ihr Wohlbefinden.

Aktives Altern und Neue Technologien  
Jaime Fonsece von der ISCSP Lissabon Universität, Portugal, erörterte die Nutzung von Computertechnologie von der Gruppe der älteren Menschen.

Danach sprachen Claudia Azevedo, vom Virtual Campus, Portugal, über die Verwendung von mobilen Geräten von älteren Menschen und Anna Grabowska, PRO-MED, Polen, erörterte den Zusammenhang von Online-Lernen und aktivem Altern. Als letzte Sprecherin in diesem Workshop sprach Myrto Ranga, Hellas 50+, Griechenland, über Lernspiele für ältere Menschen.

Abschluss der Konferenz

Während der gesamten Konferenz gab es interessante und qualitativ hochwertige Diskussionen und es herrschte eine positive und wertschätzende Atmosphäre. Das kam auch in der Abschlusssitzung zum Ausdruck. Das Forage Netzwerk bedankte sich bei den OrganisatorInnen der Konferenz, AidLearn und RUTIS aus Portugal.
 
Weitere Informationen zu ForAge und über die Konferenz sind auf der ForAge Internetseite: www.foragenetwork.eu.

 

NEWSLETTER 14

ForAge - Dritter Jahresbericht

von Jim Soulsby

Was ist ForAge?

ForAge ist ein multilaterales Europäisches Netzwerk zum Thema  Lebensbegleitendes Lernen im Alter. Das Netzwerk fördert die  Anerkennung des Wertes und des Nutzens von Lernen für ältere Menschen für Gesundheit, Miteinbeziehung, Teilhabe und Solidarität zwischen den Generationen.


ForAge for later-life learning
Building on European Experience

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Ziel von ForAge ist es Erfahrungen, Informationen und gute Praxis in Bezug auf lebensbegleitendes Lernen im Alter zu sammeln und allgemein zugänglich zu machen. Wichtig dabei sind einerseits die Verfügbarkeit von Lernen für ältere Menschen und andererseits Zugangsmöglichkeiten älterer Menschen  zu Bildung. ForAge baut auf die vielen Erfahrungen bereits erfolgreich durchgeführter Projekte und Initiativen auf und analysiert deren Wert und Auswirkungen.

Warum gibt es ForAge?

Seit dem ersten „Europäischen Jahr für Ältere Menschen und Solidarität zwischen den Generationen“ im Jahr 1993 wurden  viele europäische Projekte, Trainings, Seminare, Programme und Netzwerke zum Thema lebensbegleitendes Lernen im Alter durchgeführt. Vor allem über das Grundtvig Programm konnten viele innovative und kreative Projekte in ganz Europa umgesetzt werden. Im Jahr 2012 hatten 11 von 61 geförderten multilateralen Projekten ältere Menschen als Zielgruppe. Oft ist es jedoch schwierig Informationen über diese Initiativen und Projekte zu finden und es scheint klar, dass nicht immer der beste Nutzen aus diesen  reichhaltigen Erfahrungen gezogen wurde. Es ist aber wichtig, dass wir auf diese Erfahrungen aufbauen, die Informationen teilen und analysieren und allgemein zugänglich machen. Das ist eine der Aufgaben des  ForAge Netzwerkes.

Unsere Zielgruppe

Das ForAge Projekt hat fünf verschiedene Zielgruppen definiert.
(1)    EntscheidungsträgerInnen auf natio-naler, regionaler und lokaler Ebene.
(2)    Organisationen, Bildungsanbietende, Lehrende und TrainerInnen im Bereich des
         lebensbegleitenden Lernens im Alter.
(3)   Organisationen, die mit älteren Menschen arbeiten, zum Beispiel im Bereich gesellschaftliche
        Teilhabe, aktives und gesundes Altern, Frei-willigenarbeit und intergenerationelles
        Engagement.
(4)    Ältere Lernende.
(5)    Universitäts- und Forschungsgemeinschaften, die im Bereich lebensbegleitendes Lernen   
         im Alter arbeiten und forschen.

Die Arbeit von ForAge

Datenbank
In der ForAge Datenbank finden Sie relevante Informationen, Beispiele, Details, Links, Zusammenfassungen und Analysen zum Thema lebensbegleitendes Lernen im Alter.

 Internetseite
Auf der ForAge Internetseite finden Sie weitere Informationen über unser Netzwerk, die Newsletter, Neuigkeiten und Termine aus dem Bereich des lebensbegleitenden Lernens im Alter, Informationen über die ForAge Konferenzen, weiterführende Links und das ForAge Diskussionsforum. Außerdem haben alle ForAge PartnerInnen eigene Seiten in den jeweiligen Landessprachen für nationale und regionale Informationen zum Thema.  
(http://www.foragenetwork.eu/at/).

Lexikon
Im Jänner 2015 wurde das ForAge Lexikon veröffentlicht. Hier finden sich Definitionen von 110 Schlüsselbegriffen zum Thema lebensbegleitendes Lernen im Alter. Das Lexikon ist auf der ForAge Internetseite verfügbar.

Themenbezogene Diskussionen
Aufbauend auf die Erfahrungen der Netzwerk-PartnerInnen wurden verschiedenste  Themen und Fragestellungen diskutiert. Die Ergebnisse dieser Diskussionen flossen in unsere Newsletter und in zahlreiche Workshops ein. Unter anderem konnten wir folgende Themen abdecken: Bildung und ältere Menschen in Konfliktregionen; das neue Erasmus+ Programm und ältere Menschen; intergenerationelles Lernen; E-Learning und ältere Menschen; ältere Menschen und Kunst;  ältere Menschen und Film; ältere Menschen als „Nicht-Lernende“; aktives und gesundes Altern; lebens-begleitendes Lernen im Alter f&u